Produktivität: Sachsen-Anhalt holt Schleswig-Holstein ein

Blick auf Magdeburg: Sachsen-Anhalt holt auf          Foto: pixabay.com

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BERLIN. Die Leistungskraft der ostdeutschen Betriebe ist zuletzt wieder deutlich gestiegen, liegt aber im Durchschnitt weiter um fast ein Drittel hinter den Unternehmen in Westdeutschland. Nachdem die Produktivität der Ostbetriebe, gemessen wird das Verhältnis zwischen Jahresumsatz und dafür eingesetzten Arbeitsleistung, zwischen 2006 und 2013 zwischen 67 und 69 Prozent des Westniveaus schwankte, ist sie 2014 um drei auf 71 Prozent des Westniveaus geklettert. Das geht aus dem IAB-Betriebspanel Ostdeutschland für 2015 hervor, das heute (30.06.2016) durch das Bundeswirtschaftsministerium veröffentlicht werden soll. Der Bericht lag nl vorab vor. Dem Gutachten zufolge hat erstmals ein ostdeutsches Flächenland das Produktivitätsniveau eines westdeutschen, allerdings eher strukturschwachen Landes erreicht. Der Bericht selbst nennt keine Namen, wie das Bundeswirtschaftsministerium gegenüber nl bestätigte, handelt es sich aber um Sachsen-Anhalt, das das Produktivitätsniveau von Schleswig-Holstein eingeholt hat. Die Produktivitätslücke ist im produzierenden Gewerbe weiter deutlich größer als bei den Dienstleistungen. In der Land- und Forstwirtschaft beträgt der Abstand zwischen Ost und West nur noch 17 Prozent.

Lohnabstand schmilzt um drei Prozent

Insgesamt kommt die Arbeitgeberbefragung zu dem Ergebnis, dass sich die wirtschaftliche Situation in den ostdeutschen Betrieben auch 2015 weiter verbessert hat, vor allem, weil sich Umsätze und Exporte positiv entwickelt haben. Die Löhne sind im Osten 2015 um durchschnittlich fünf Prozent gestiegen, der Bruttodurchschnittslohn für eine Vollzeitstelle lag 2015 laut IAB-Bericht bei 2600 Euro im Osten, in Westdeutschland bei 3210 Euro. Die Lohnangleichung 2015 betrug 81 Prozent. Damit stellt der IAB-Bericht erstmals seit einigen Jahren eine Verringerung des Lohnabstands zwischen alten und neuen Ländern fest. Als eine Ursache wird die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes gesehen, der in Ostdeutschland deutlich häufiger angewendet wurde, als im Westen. Branchen mit einem hohen Anteil an Mindestlohnbeschäftigten wie die Landwirtschaft, der Handel und Dienstleistungen, weisen 2015 auch eine überdurchschnittliche Lohnsteigerung aus. Dagegen ist gerade im verarbeitenden Gewerbe die Lohnlücke mit 30 Prozent (Ost: 2710 Euro, West: 3.860 Euro) noch am größten.

Wirkungen des Mindestlohnes

Erstmals wurden die Arbeitgeber auch nach den Auswirkungen des Mindestlohnes gefragt, der seit Januar 2015 gilt. Grundsätzlich haben Unternehmen, in denen bei mindestens einem Beschäftigten der Mindestlohn zur Anwendung kam, ihre Mitarbeiterzahl auch 2015 leicht aufgestockt – eine allgemeine Vernichtung von Arbeitsplätzen durch die Lohnuntergrenze hat es folglich auch in Ostdeutschland nicht gegeben. Allerdings verzeichneten Betriebe, bei denen mehr als die Hälfte des Personals vom Mindestlohn betroffen waren, einen Rückgang der Beschäftigung um 1,2 Prozent.

Fachkräftebedarf

Die Nachfrage nach Fachkräften in den ostdeutschen Betrieben hat 2015 einen neuen Höchststand erreicht. Schon im ersten Halbjahr wurden von den Unternehmen 485.000 Fachleute gesucht, mehr als in jeder anderen Jahreshälfte zuvor. Mehr als jeder dritte Betrieb in den neuen Ländern hat mindestens eine Fachkraftstelle ausgeschrieben, in der Industrie und im Gesundheits- und Sozialwesen war die Personalnot noch größer. Insgesamt waren 29 Prozent aller im ersten Halbjahr 2015 zu besetzenden Fachkräftestellen nicht besetzt (Westdeutschland 26 Prozent).

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung Iris Gleicke (SPD) erklärte zu der Untersuchung: „Die ostdeutsche Wirtschaft ist auf einem guten Weg. Erstmalig hat ein ostdeutsches Land das Produktivitätsniveau eines westdeutschen Landes erreicht“. Die Daten belegen auch, dass die Ostbetriebe die Einführung des Mindestlohnes gut gemeistert haben. „Das ist eine gute Nachricht sowohl für den Wirtschaftsstandort Ost als auch für alle, deren Arbeit jetzt deutlich besser bezahlt wird“, so Gleicke.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) führt seit 1996 bundesweit jährlich eine Arbeitgeberbefragung durch. Im Jahr 2015 fand diese Befragung zum 20. Mal statt. Für Auswertungen in Ostdeutschland liegen für das Jahr 2015 Interviews von 6.090 Betrieben vor.

Axel Fick

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