Viele Geburten, noch mehr Todesfälle

Foto: shutterstock

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Die gute Nachricht vorweg: 2015 sind deutschlandweit erneut mehr Kinder geboren worden als im Jahr zuvor, mit knapp 738.000 wurden 23.000 Neugeborene mehr gezählt als noch 2014 (+3,2 Prozent). Doch wie bereit seit Jahrzehnten reicht auch diese Geburtenanzahl nicht aus, um die Sterbefälle zu übertreffen. Im Gegenteil: Die Schrumpfung der Bevölkerung schreitet, Migration einmal außen vorgelassen, weiter voran. 2015 starben 925.000 Menschen, im Vorjahr noch 868.000 – damit ist die Zahl der Sterbefälle im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent gestiegen. Die Zahlen gab das Statistische Bundesamt heute (30.06.2016) bekannt.

Brandenburg: Ebbe im Kreißaal

Vom Babyboom in Deutschland kann keine Rede sein – zumal sich die Geburtenzahlen in den Ländern sehr unterschiedlich entwickeln: So ist Brandenburg das einzige der 16 Bundesländer, in dem zuletzt sogar weniger Neugeborene (-227, Minus 1,2 Prozent) gezählt wurden. In Thüringen wurden gerade einmal 47 Babys mehr geboren als 2014 (0,3 Prozent). Dagegen darf sich Baden-Würtemberg über knapp 5 Prozent Geburtensteigerung und fast 5000 Geburten mehr freuen, als noch 2014. Ähnlich gute Zahlen meldenBremen (+4,8 Prozent) und Rheinland-Pfalz (+4,5 Prozent).

Unterhaltsvorschuss soll 2017 ausgeweitet werden

Der Unterhaltsvorschuss soll ab 2017 bis zum 18. Lebensjahr eines Kindes gezahlt werden. Das berichtet die BILD-Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe unter Berufung auf das Bundesfamilienministerium. Dem Bericht zufolge sollen Kinder ab 12 Jahre 270 Euro im Monat erhalten. Bislang gibt es den Unterhaltsvorschuss, den der Staat leistet, wenn unterhaltspflichtige Elternteile nicht zahlen, nur bis zum 12. Geburtstag eines Kindes. Zudem zahlen die Vorschussstellen bei den Jugendämtern maximal sechs Jahre lang. Auch diese zeitliche Beschränkung soll nach dem Willen von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) ab Januar fallen – so dass Bundeskabinett ihren Plänen zustimmt. Die Position des Bundesfinanzministeriums ist noch offen – Schwesig rechnet mit Mehrkosten von 260.000 Euro jährlich.

Für Kinder bis 5 Jahre beträgt der Unterhaltsvorschuss derzeit 145 Euro, zwischen 6 und 11 Jahren erhalten die Alleinerziehenden 194 Euro monatlich. Der Staat kann das Geld von den säumigen Elternteilen nachfordern, verstärkt werden dafür auch Kontenabfragen eingesetzt.

Im Osten finden Studenten leichter eine Wohnung

BERLIN. Studenten finden in diesem Jahr in vielen Hochschulstädten deutlich schlechter eine Wohnung als noch vor einem Jahr. Nach einer Untersuchung des Moses Mendelssohn Institutes hat sich die Wohnsituation für Studierende in 52 von 91 Hochschulstandorten verschärft. Untersucht wurden alle Standorte mit mehr als 5000 Studierenden. Am schlechtesten ist die Lage in München und Frankfurt am Main. Berlin liegt im Ranking der Städte mit der angespanntesten Wohnsituation auf Platz 8. Darüber hinaus folgt erst auf Rang 45 Potsdam als nächste ostdeutsche Studentenstadt. Offenbar ist die Wohnsituation in den neuen Bundesländern für Studierende deutlich entspannter. Dresden, Jena und Leipzig folgen erst auf den Plätzen 60 bis 70. Und Chemnitz, Cottbus, Erfurt, Frankfurt/Oder, Halle, Magdeburg, Wismar, Rostock und Greifswald stehen alle in der Liste der Städte „mit  wenig angespanntem Wohnungsmarkt“.

Untersucht wurden insgesamt 23 Faktoren, einschließlich Erstsemesterzahlen, Mietpreise oder die Attraktivität für ausländische Studenten. Die Faktoren fließen in einen sogenannten Anspannungsindex ein, der maximal 100 Punkte betragen kann (höchste Aspannung).

In München ist der studentische Wohnungsmarkt am stärksten angespannt

Quelle: Moses Mendelssohn Institut, 2016

„In vielen klassischen Universitätsstädten macht sich jetzt die wachsende Zahl von Studierenden bemerkbar, die aus anderen Teilen Deutschlands oder aus anderen Ländern an die begehrten Hochschulen streben und deshalb keine Möglichkeit mehr haben, bei Eltern oder Verwandten zu wohnen“, erläutert der Direktor des Mendelssohn-Institutes die Studie, zudem gebe es wenig passende Immobilienangebote, auf die ausgewichen werden könne.

WG-Zimmer kostet 19 Euro mehr

In der Folge müssen Studenten mehr Miete zahlen. Ein WG-Zimmer kostet zum Semesterstart bundesweit durchschnittlich 349 Euro im Monat – 19 Euro mehr als noch vor einem Jahr. Dabei sind die regionalen Unterschiede enorm – in München kostet ein Zimmer durchschnittlich 560 Euro. Am unteren Ende des Scorings, wo die meisten ostdeutschen Städte platziert sind, kostet das WG-Zimmer im Schnitt nur noch 262 Euro.

Wie die Untersuchung ebenfalls ergab, sind Studenten bei er Wahl ihres Wohnstandortes nicht bescheiden. Für eine bessere Lage sind die meisten Studierenden bereit, auf etwas Ausstattungskomfort oder ein paar Quadratmeter mehr zu verzichten.

Bundesregierung will alternative Heilmethoden „kritisch prüfen“

Die Bundesregierung will die Zulassungsvoraussetzungen und den Tätigkeitsbereich von Heilpraktikern überprüfen. In einer Antwort des Bundesgesundheitsministerium auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen im Bundestag (liegt nl-Magazin vor) heißt es, man nehme im Ministerium „aktuelle Vorgänge zum Anlass für eine kritische Prüfung im Bereich der komlementärmedizinischen Methoden“. Darüber hatte zuerst die Zeitung „Die Welt“ berichtet. Ob sich aus der Überprüfung ein rechtlicher Handlungsbedarf ergebe, werde im Rahmen dieser Prüfung zu entscheiden sein, heißt es seitens der Regierung. Die Heilpraktikerausbildung in Deutschland war zuletzt in die Kritik geraten, nachdem in einem alternativen Krebszentrum mehrere Patienten gestorben waren.

Neue Zulassungsregeln für Heilpraktiker?

Auch halte die Bundesregierung den Vorschlag der Gesundheitsministerkonferenz der Länder zur Überarbeitung der Zulassungsprüfung „für grundsätzlich geeignet, um den Patientenschutz im Bereich der Zulassung von Heilpraktiker-Anwärterinnen und -Anwärtern zu verbessern“. Man berücksichtige dabei aber, dass Heilpraktiker für eine Vielzahl von Bürgern „wertvolle und gewünschte Dienste“ leisteten. Heilpraktiker dürften schon heute nicht auf allen medizinischen Gebieten tätig werden, weitergehende Einschränkungen seien im Einzelfall zu prüfen, heißt es nun.

Die Gesundheitsexpertin der Grünen, Kordula Schulz-Asche, die die Anfrage gestellt hatte, erklärte, die Bundesregierung könne in ihrer Antwort nicht verschweigen, dass es erhebliche Lücken in der Regulierung des Heilpraktikerberufs gebe. „Der Bund ist nun angehalten gemeinsam mit den Heilpraktikerverbänden für einheitliche, hochwertige und verbindliche Ausbildungsstandards zu sorgen und in Zusammenarbeit mit den Ländern Melde- und Dokumentationspflichten für Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker durchzusetzen.“ In Deutschland waren 2014 mehr als 40.000 Heilpraktiker registriert.

Mega-Daten-Hack bei Yahoo

MÜNCHEN. Eine halbe Milliarde Nutzerdaten wie E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten und Sicherheitsfragen zu Passwörtern des Internet-Dienstleisters Yahoo sind offenbar bereits im Jahr 2014 gehackt worden – erst jetzt wurde der volle Umfang des Angriffes auf die Kunden des Unternehmen aber bekannt.

Kunden sollen Passwörter ändern

Yahoo selbst geht davon aus, dass die Hacker mit Unterstützung einer Regierung arbeiten, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Erste Informationen über den Hack bei Yahoo waren bereits im August aufgetaucht. Laut Yahoo sollen keine Passwörter im Klartext oder Bankdaten gestohlen worden sein, da diese nicht im gehackten System gespeichert werden. Yahoo arbeite eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, man gehe jedoch davon aus, dass aktuell keine Hacker mehr im System unterwegs seien. Den Kunden empfiehlt das Unternehmen erhöhte Wachsamkeit vor allem bei Mitteillungen, die persönliche Informationen abverlangen und warnt vor Klicks auf unbekannte Links in E-Mails. Zudem sollten die Passwörter bei Yahoo geändert erden ebenso wie bei allen Diensten, bei denen gleichlautende Kennwörter im Einsatz sind.

Umtauschpflicht für alte Führerscheine soll früher kommen

Alte Führerscheine sollen früher umgetauscht werden als bislang geplant. Das sieht eine Vorlage des Bundesrats-Verkehrsausschusses vor, die nl vorliegt und über die zuerst die Saarbrücker Zeitung berichtet hatte. Danach soll der Umtausch der geschätzten 15 Millionen Papierführerscheine, die vor 1999 ausgestellt wurden, gestaffelt nach Geburtsjahren stattfinden. Führerscheine, die nach 1971 ausgestellt wurden, müssen nach den Plänen bis Anfang 2024 getauscht sein.

Umtausch der Führerscheine vor 1999 nach Geburtsjahren

Umtauschfristen der Führerscheine, die vor 1999 ausgestellt wurden, nach Geburtsjahren     Quelle: Bundesrat

In der Begründung des Bundesrats-Ausschusses heißt es, die Staffelung solle nach Geburtsjahren erfolgen, weil das Ausstellungsdatum auf den alten Papieren oft nicht mehr erkennbar sei. Anders verhält es sich bei den etwa 30 Millionen ab dem 1. Januar 1999 ausgestellten Führerscheinen: Hier soll das Ausstellungsjahr über die Umtauschfrist entscheiden.

Umtauschfrist

Umtauschfristen der Führerscheine, die seit 1999 ausgestellt wurden, nach Geburtsjahren     Quelle: Bundesrat

„Bis zum Jahr 2028 sollten möglichst viele Alt-Führerscheine umgetauscht worden sein, da ab diesem Zeitpunkt auch die im Jahr 2013 ausgestellten Führerscheine ihre Gültigkeit verlieren und verlängert werden müssen“, so der Bundesrat in seiner Begründung. Mit der Staffelung soll eine Überlastung der Behörden verhindert werden.

Im Januar 2013 wurde in Deutschland der neue EU-Führerschein eingeführt, der nur noch auf 15 Jahre befristet gültig ist. Gleichzeitig wurde beschlossen, dass alle zuvor ausgestellten Dokumente noch 20 Jahre ihre Gültigkeit behalten sollten. Eine erneute Prüfung oder ein Gesundheitstest ist beim Umtausch nicht erforderlich, allerdings fallen Gebühren an.

 

 

Tourismus: Dresden erleidet Pegida-Effekt

Dresden - An der Frauenkirche

Dresden – An der Frauenkirche / Foto: A. Fick

Sechs Jahre in Folge stiegen die Übernachtungszahlen in Dresden. Doch 2015 kamen erstmals wieder weniger Gäste in die Stadt, die Zahl der Übernachtungen ging um drei Prozent auf 4,3 Millionen zurück, die Zahl der Gästeankünfte sank um gut zwei Prozent. Die Geschäftsführerin der Tourismusgesellschaft der Stadt, Bettina Bunge, macht dafür auch das gesunkene Image der Stadt wegen der allmontäglichen Demonstrationen verantwortlich und spricht von einem „Pegida-Effekt“ für den Tourismus. Nicht die montäglichen Demonstrationen an sich, vielmehr die fremdenfeindlichen Parolen am Rande und die kontinuierliche negative Berichterstattung hätten bei privaten Gästen wie bei Geschäftsreisenden gesorgt. Wie die Dresdner Neuesten Nachrichten berichten, ließen sich ausländische Gäste aber nicht abschrecken. Ihre Übernachtungszahlen sind 2015 im Vergleich zum Vorjahr über sechs Prozent gestiegen.  Nach vorne gerichtet sei es nun um so wichtiger, dass sich Dresden als weltoffene Stadt positioniere, so Bunge. Für 2016 hofft die Tourismusgesellschaft wieder auf ein leichtes Wachstum der Übernachtungszahlen.

Nach den Pöbeleien gegen Asylbewerber im sächsischen Clausnitz und der vermutlichen Brandstiftung in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen in den vergangenen Tagen droht jedoch ein weiterer Imageschaden für den Freistaat, befürchten zunehmend auch andere Wirtschaftsvertreter. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, Detlef Hamann, warnte im Handelsblatt vor negativen Auswirkungen auf den Standort. Und der Chef des Regionalen Halbleiter-Branchenverbandes  Silicon Saxony, Heinz Martin Esser, sagte der Zeitung: „Die Schlagzeilen, die jeden Tag auf uns als Bürger und Unternehmer einprasseln, machen ziemlich klar, dass wir ein Problem haben. Das ist eindeutig“.

 

Schrumpfendes Land, wachsende Probleme

Demografen zählen das Staatsvolk. Besser, sie rechnen es Jahr für Jahr fort. Eine echte Zählung wäre nicht nur viel zu aufwendig, sondern bringt, wenn sie denn alle Jahrzehnte stattfindet, auch den Unmut des Zählvolkes mit sich – zu viele private Daten, zu teuer und am Ende klagen hunderte Gemeinden, weil mit dem Ergebnis möglicherweise Nachteile verbunden sind. 2011 ergab der jüngste Zensus, dass der deutsche Bevölkerungsstand bis dahin um rund 1,5 Millionen Bürger zu hoch fortgerechnet wurde, wonach die Finanzhilfen an Städte und Gemeinden, die an die Einwohnerzahl gekoppelt sind, gestutzt werden mussten.

Nun verliert Deutschland nicht in jedem Jahr 1,5 Millionen Einwohner auf dem Papier, aber, fast dramatischer, zu viele tatsächlich. Deutschland schrumpft und altert dabei noch, ein moderner Industriestaat  gnomiert. Die nackten Vorausberechnungen sind längst bekannt, gelegentlich fließen demografische Überlegungen auch schon in  politische Entscheidungen ein (Rente mit 67), manchmal geschieht das Gegenteil (Rente mit 63). Die Tabellen und Grafiken zur Bevölkerungsentwicklung sind scheinbar noch zu abstrakt und die Jahreszahlen zu weit in der Zukunft. Noch, so scheint es, finden Firmen ausreichend Personal und Hochbetagte noch helfende Hände, wenn sie allein nicht mehr zurecht kommen.

Die Frühwarner schlagen jetzt Alarm. Mit seiner „Raumordnungsprognose 2035“ will das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) deutlich machen, wo der Demografie bedingte Handlungsbedarf schon jetzt besonders groß ist. Nach hinten geblickt, auf die Entwicklung seit 1990 bis zum Jahr 2012, hat der Bevölkerungsschwund ausschließlich in den neuen Bundesländern stattgefunden – dort hat sich die Einwohnerzahl von 18,2 Millionen auf 15,9 Millionen reduziert, während in den alten Ländern noch über 3 Millionen Einwohner hinzukamen. Entscheidend für diese unterschiedliche Entwicklung ist nicht nur die starke Abwanderung von Ost nach West insbesondere in den 1990er Jahren (1,1 Millionen), sondern der im Westen starke Zuzug aus dem Ausland (+3,1 Millionen). In den Osten kamen im gleichen Zeitraum lediglich 336.000 mehr Ausländer, als Ostdeutsche ins Ausland abwanderten.

Osten braucht Zuwanderung

Nun haben die Experten des BBSR die Entwicklung fortgeschrieben bis zum Jahr 2035 und erkennen keine wesentliche Veränderung in der Entwicklung: Der Westen verliert zwar alterungsbedingt massiv an Einwohnern, kann das aber durch den Ausländerzuzug und eine weitere halbe Million Abwanderer aus dem Osten nahezu kompensieren. Der Osten hingegen verliert noch einmal 1,8 Millionen Menschen, auch weil der Außenwanderungssaldo für die kommenden 20 Jahre lediglich ein Plus von gut 900.000 Menschen aufweist. Dabei, so heißt es in der Analyse, sind die internationalen Wanderungen die „einzig verbliebene Wachstumsquelle auf der gesamtstaatlichen Ebene“.

Bevölkerungsentwicklung seit 1990 und bis 2035

Bevölkerungsentwicklung der Kreise in Vergangenheit und Zukunft (Grafik:  BBSR Bonn 2014)

SCHWACHER TROST: Die rote Farbe markiert Bevölkerungszuwachs, blau den Schwund. Die Grafik zeigt, dass der Osten dem Westen in Sachen Demografie nur ein Stück vorauseilt, in weiterer Zukunft werden die Mangelerscheinungen auch in den alten Bundesländern zunehmen.

 

Doch nicht nur in der Entwicklung der Einwohnerzahlen, auch in der Art der Alterung unterscheiden sich Ost und West. Wegen des Geburteneinbruchs nach der Wende und des insgesamt sinkenden Anteils junger Menschen auch durch die Abwanderung alterte der Osten seit der Wiedervereinigung „von unten“, wie das BBSR beschreibt, während der Westen zunehmend von der Alterung von oben – also dem wachsenden Anteil Älterer und Hochbetagter über 80 Jahre, betroffen ist und sein wird. Gerade für die neuen Länder gelte: „Die schockartigen altersstrukturellen Veränderungen – am stärksten bei den Schulpflichtigen – werden noch auf Jahrzehnte hinaus die demografische Entwicklung der Bevölkerung prägen.“

Weite Schulwege und fehlende Hilfe im Alter

Die Raumordnungsprognose geht den entscheidenden Schritt weiter und macht auf die Probleme aufmerksam, die sich vor Ort ergeben werden: Die abnehmende Schülerzahl etwa wird sich in der Ausdünnung der Schullandschaft niederschlagen – der „Zielkonflikt“ zwischen einer guten Erreichbarkeit der Schulen und ihrer Auslastung wird sich verschärfen, heißt es da, verbunden mit der Warnung, dass sich die Schließung von Schulstandorten nicht nur zu weiteren Schulwegen führt, sondern auch die Qualität der Einrichtungen gefährdet, wenn sich die Vielfalt des Bildungsangebotes am Schulstandort reduziert. Auch bei der Versorgung der Alten macht das BBSR ein Ost-West-Gefälle aus: Als Spätfolge der Abwanderung fehlen hier große Teile einer  Kindergeneration, die als potenzielle Pfleger ihrer hochbetagten Eltern in Frage kommt. Zwar wird die Zahl der zu Pflegenden  auch in den alten Ländern deutlich ansteigen, hier sind die sozialen Netzwerke insbesondere zu den eigenen Kindern jedoch wesentlich intakter.

Hochbetagte-und-soziale-Netze

Die Familie fällt als Pflegekraft im Osten aus. (Grafik: BBSR Bonn 2014)

ALLEINE ALTERN: Zwar nimmt auch im Westen der Anteil der Hochbetagten in den kommenden 20 Jahren deutlich zu. Je dunkler die Färbung (rechte Karte), desto weniger stehen den über 80-jährigen aber die Kinder als Unterstützung und Pfleger zur Verfügung.

Abhilfe gegen die Probleme der Ausdünnung weiter Landstriche und der fehlenden Familienkontakte können hier nur intelligente Lösungen schaffen, die nicht erst 2035 aus dem Boden gestampft werden. In seiner Studie erklärt der BBSR-Direktor Harald Herrmann, die jetzige Prognose biete „grundlegende Informationen für die Ausgestaltung von Konzepten und Maßnahmen einer ausgleichsorientierten Politik“. Wie gut die Informationsverarbeitung in Bund, Ländern und Kommunen funktioniert, wird sich zeigen.

 

Pegida: „So sind wir aber nicht“

Der Soziologe Heinz Bude spricht im FR-Interview über Pegida, Unterschiede in West- und Ostdeutschland und Ängste insbesondere in der sogenannten Mitte der Gesellschaft. Viele Westdeutsche hätten das Aufflammen der Pegida-Proteste als Abgrenzungsereignis empfunden: „Interessanterweise war Pegida für den aufgeklärteren Teil der Westdeutschen so eine Art Lackmus-Test, an dem man feststellen konnte: So sind wir aber nicht.“