2030: Größte Fachkräftelücke droht Thüringen

Blick in das Konstruktionsbüro des EMW IFA-Werles Eisenach 1953

Konstrukteure im IFA-Werk Eisenach 1953 – Fachkräftemangel war ferne Zukunft. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-22209-0682 / CC-BY-SA

Das Fehlen von sechs bis zu knapp acht Millionen Fachkräften bis 2030 könnte Deutschland nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) etwa eine halbe Billion Euro Wirtschaftsleistung kosten. Zwar betrifft der Mangel alle Bundesländer, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung: „Vor allem in den neuen Bundesländern wird der Mangel zum großen Problem“, sagt der Autor der Studie Rainer Strack. Den Verlust von bis zu einem Fünftel der Arbeitskräfte würden die ostdeutschen Regionen kaum verkraften, „ohne in ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erheblich Schaden zu nehmen“. Die größte Lücke zwischen Arbeitskräftenachfrage und -angebot droht der Untersuchung zufolge in Thüringen (und deckt sich damit mit den Berechnungen des IAB, s.a. im NL-Beitrag …). Dort werde sich die Situation bereits in den kommenden Jahren dramatisch zuspitzen, heißt es. Westdeutsche Länder wie Bayern könnten in den nächsten Jahren noch mit einem leichten Arbeitskräftewachstum rechnen. Wegen der stärken Wirtschaftskraft und erhöhter Nachfrage werde es aber auch dort ab 2020 zu einer spürbaren Personalnot kommen.

Wirtschaft in Thüringen und Sachsen-Anhalt schrumpft

Strack zu den Folgen für Ostdeutschland: „Bleiben Gegenmaßnahmen aus, sind eine weitere Verödung ländlicher Gebiete, die Abwanderung von Betrieben und das Schrumpfen lokaler Märkte absehbar“. Die wachstumshemmende Wirkung des Personalmangels ist der Studie zufolge enorm: In allen neuen Bundesländern würde das BIP-Wachstum je nach Szenario um 0,7 bis 1,4 % niedriger liegen, als bisher. Die Autoren rechnen dann für die neuen Länder nur noch mit einem jährlichen Wachstum von 0,1 Prozent – für Thüringen und Sachsen-Anhalt wird sogar ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung vorausgesagt.

Die Autoren fordern Politik und Wirtschaft zur verstärkten Beschäftigung mit einer langfristigen Personalplanung auf und sehen die bekannten Handlungsfelder, um dem Fachkräfteverlust abzumildern: Steigerung der Arbeitsproduktivität – vor allem durch Technisierung -, die Erhöhung der Erwerbsquoten von Frauen und Älteren und schließlich durch Zuwanderung. Das Ausmaß der notwendigen Veränderungen ähnelten einem Kraftakt. Ein Beispiel aus der BCG-Untersuchung: Neben einer deutlichen Steigerung der Arbeitsproduktivität müsste sich der Anteil der über 65-Jährigen Erwerbstätigen bis 2030 verdreifachen, von jetzt etwa 5 auf 15 Prozent. Und der Nettozugewinn an Migranten dürfte nicht nur bei den prognostizierten 200.000 im Jahr rangieren, sondern müsste bei etwa 500.000 Migranten liegen – mit einer Erwerbsquote, die sich nicht von der deutschen Bevölkerung unterscheidet.

Für die Studie „Die halbierte Generation“ hat die BCG vier Szenarien analysiert – mit unterschiedlichen Entwicklungen in der Erwerbsquote und beim Bruttoinlandsprodukt.

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